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Über das Leben und die Verständigungsproblematik einer Österreicherin in Deutschland, darüber wie genervt man von kleinen Alltäglichkeiten sein kann, die man aber am Ende doch irgendwie ins Herz schließt und davon, dass sich bei manchen deutsch-deutschen Wörter einfach die Zehennägel einrollen.
Die deutsche Sprache – wie wundervoll und vielschichtig sie doch ist, aber vor allem unterschiedlich. Mir, als Österreicherin, war das ja schon längst bewusst. Die Österreicher, oder ‚Össis’ wie wir liebevoll von unseren hochangesehenen Nachbarn genannt werden, haben sowieso eine sehr umfangreiche Sprachvielfalt. Überquert man die Grenze zu einem anderen Bundesland, versteht man auch schon kaum ein Wort mehr.
Befinde ich mich, als hochdeutsch erzogene Steirerin, im schönen Tirol, ist vorübergehend ein großes Fragezeichen auf meine Stirn tätowiert und außer sinnlosem Gebrabbel versteh ich so gut wie gar nichts.
Die Wiener, ja, die Wiener sind auch so ein eigenes Völkchen, sah man ja schon an Falko, was aber nicht heißen soll, dass ich alle Wiener mit Falko in einen Hut stecke. Die Kärntner gehören so oder so nicht mehr zu Österreich, auch wenn sie es felsenfest behaupten, die Salzburger schwelgen in nostalgischen Erinnerungen an Mozart und die Vorarlberger versteht sowieso keine Sau, verstehen sie sich doch nicht mal selbst untereinander.
Aber wenn man sich dann mal ins Nachbarland bewegt, bemerkt man schnell, wie ähnlich sich doch die ganzen österreichischen Dialekte sind und dass man sich irgendwie immer verständlich machen kann – ganz anders in Deutschland.
Ganz einfach Phrase, die für uns Österreicher im alltäglichen Gebrauch völlig normal sind, werden von den Deutschen einfach nicht verstanden.
Da sag ich zum Beispiel, dass ich nicht weiß, ob es sich bei mir ausgeht und werde nur mit großen Augen angeschaut und gefragt, was denn ausgeht – etwa das Bier? Nein, nicht das Bier, sondern die Zeit, soll heißen, ob ich Zeit haben werde und es sich eben zeitlich ausgeht.
Ich will meinen Müll wegwerfen und frag nach einem Mistkübel, als Antwort bekomm ich nur Gelächter – Ja, fein, dann eben der Mülleimer. Wo ist denn da bitte der Unterschied? Ach ja, ich vergaß, Müll gleich Hausdreck, Mist gleich Viehdreck – aber im Endeffekt beides Dreck. Sollte ich also demnächst nach einem Dreckeimer fragen?
Und sowieso wird man dauernd belächelt, sollte man es wagen, sich einmal nicht an die hochdeutsche Sprache anzupassen und im Dialekt zu reden und dann wird noch von einem behauptet, man spreche undeutlich, nein, du Vollpfosten, das nennt man Dialekt, was wiederum ja irgendwo Kultur ist – österreichische Kultur.
Es ist ja so oder so sehr merkwürdig, diese Unverständlichkeit, sprechen wir doch alle die gleiche Sprache und verstehen uns doch nicht, manchmal auch, weil man einfach aneinander vorbei redet, aber das ist ein anderes Thema.
Da geht einem, als Österreicher in Deutschland, schon mal die eigene Sprache ab – ach, wo wir bei abgehen wäre, heißt so viel wie, dass uns etwas fehlt, aber in Deutschland wird man gefragt, ob einem was abfalle – wie um alles in der Welt kommt man drauf, wenn ich sage, mir geht manchmal doch meine Heimat ab, dass sie mir abfallen würden? Nein, sie fehlt mir. Punkt.
Also, ja, manchmal, im fernen Deutschland, geht mir meine Heimat ab, meine Erdäpfel und meine Paradeis, also Kartoffeln und Tomaten, meine Palatschinken und mein Schmarn, da krieg ich ja sowieso die ärgsten Erscheinungen, wenn man Palatschinken als Pfannekuchen bezeichnet und, wenn’s doch mal Palatschinken sagen, den Schinken betonen, nein, Palatschinken werden nicht aus Schinken gemacht, oder macht man in Deutschland ‚Pfannekuchen’ aus Schinken? – Ich bezweifle es, aber lasst es euch schmecken.
Manchmal da fehlt auch der typische, österreichisches Schmäh, also Humor, der ist ganz eigen und so ganz anders als der deutsche.
Aber das Schlimmste für österreichische Ohren ist nach wie vor noch ‚Schina’ und ‚Schemie’ – da rollen sich einem immer die Zehennägel ein, heißt es doch Kina und Kemie, gut, zugegeben, ist beides falsch, aber wenn ihr lieben Deutschen doch so an eurem ‚Sch’ hängt, dann bleibt auch dabei und sagt doch auch ‚Schlor’.
Schlussendlich ist zu sagen, dass ich meine Aufenthalte in Deutschland, trotz der Sprachproblematik und den Verständigungsproblemen, immer wieder genieße, aber doch eben sehr an meinem Dialekt und meiner Heimat hänge.
